Vindö50: Lackierung des Aufbaus

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Vindö50: Lackierung des Aufbaus

Beitrag von VindöFan » Dienstag 13. Mai 2014, 08:29

Hallo, wir haben die letzten Jahre vermehrt Probleme mit dem Lack am Aufbau. Besonders auf der Sonnenseite gibt es immer wieder Blasen und der gesamte Lackaufbau platzt bis auf das rohe Holz ab. Wir sind jetzt soweit die Arbeit einmal vernünftig vom Profi machen zu lassen. Hat jemand eine Adresse für mich - Raum Kiel? Danke und eine schöne Saison Euch Allen.

harald
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Beitrag von harald » Dienstag 13. Mai 2014, 08:58

Wenn der Lack komplett bis auf Holz abplatzt kann das auch ein Zeichen für Feuchtigkeit dahinter sein. Das Problem hatte ich mal am Süllrand mit den Winschbrettern.
Besonders wenn es an der Sonnenseite auftritt, da dampft es dann im wahrsten Sinne des Wortes....
Ich würde das erst ausschließen, sonst kann auch ein professioneller Lackauftrag sich schnell wieder lösen.
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TomM
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Beitrag von TomM » Dienstag 13. Mai 2014, 16:08

Der Süllrand und die Winschenbretter sind aus Teak, da hält nichts für immer, alle zwei drei Jahre hilft da nur noch abkratzen, schleifen und neu machen.

Am Mahagoni würde ich mal auf nicht ausreichende Entfettung tippen, dann haftet der Lack und beginnt sich irgendwann zu lösen. Für ewig hält das sowieso nicht, bei mir waren es um die 8 bis 10 Jahre, dann musste man wieder ran.
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Beitrag von harald » Dienstag 13. Mai 2014, 16:19

Da habe ich mich mit dem Süllrand wohl nicht genau ausgedrückt. Nicht die Abdeckung oben sondern den formverleibten Süll. Die Winschbretter - nicht die Abdeckung hiervon - ist mit Schrauben und den gewellten Metallstreifen fixiert. Da zwischen lief das Wasser...
Das gab in der Sone dann auch ganz schöne Blasen - wegen der Feuchtigkeit dahinter, die sich bei Wärme dann auch noch gerne audehnend verflüchtigen möchte.
Das Mahagony Leibholz am Kajütdach zeigt bei Feuchtigkeit dahinter auch geen den farbablösenden Effekt.
Weil bei unsrer Frl. Bö auch gleich die wasserlösliche Verleimung das machte, was man von wasserlöslichr Verleimung auf einem Boot erwartet wurde da was rausgefräst und neu eingesetzt.
Das überstieg mein Zeitbudget - das saH dann aber so aus: http://www.greger-yachtbau.de/Vindoe_30-1-13.htm
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Beitrag von Haffsegler » Donnerstag 13. November 2014, 07:04

Auch wir haben den Aufbau der Nautilus im letzten Winter neu lackiert und lackieren lassen. Bei den Vorbereitungen dazu haben wir auch die Cockpitlaibungen geschliffen und ablösendes Furnier am Laufdeckanschluss festgestellt. Diese haben wir versucht mit Anbohren der Laibungshölzer und eindrücken von Epoxydharz wieder zu befestigen. Ist auch gelungen. Eine beruhigende Lösung ist dies trotzdem nicht für mich.Bin auch kein Holzfachmann.Ich trage mich mit dem Gedanken die Teakfuge zwischen Laufdeck und Laibung zu entfernen und über das Laibungsholz einen ca.5cm Streifen Gewebeband mit Epoxy aufzulaminieren, zu verschleifen ,zu lackieren und eine neue Fuge einzubringen.Das Gewebeband sollte bis unter das Teaklaufdeck gehen.

Velleicht hat jemand von Euch Erfahrung mit deser Arbeit.
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Gruss Thorsten

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Beitrag von windjob » Donnerstag 13. November 2014, 10:11

Ich habe hier im Süden (Türkei, Griechenland) mit den unterschiedlichsten Lacken experimentiert. Teils notgedrungen, da jeder Winter ein anderer Standort und derselbe Lack nicht möglich war. Letztes Jahr habe ich nun nochmals den gesamten alten Lack mit der Heissluftpistole runtergeholt geschliffen und nun mit Aquastain Exterior von ER-LAC neu aufgebaut. Gibt es in farblos und in zwei verschiedenen Mahagonitönen. Kann man leicht mischen. Für die letzte Lage gebe ich immer noch ca. 5% Wasser zu um die Fliessfähigkeit zu verbessern. Ist ein wasserlöslicher Acryllack der sich extrem gut verarbeiten lässt. Nach einem sehr heiissen Sommer hier in Kreta kann ich nur sagen. Die Entscheidung war richtig.

MuS

Klaus

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Beitrag von hansenloewe » Sonntag 16. November 2014, 08:46

windjob hat geschrieben:.. Letztes Jahr habe ich nun nochmals den gesamten alten Lack mit der Heissluftpistole runtergeholt geschliffen und nun mit Aquastain Exterior von ER-LAC neu aufgebaut. Gibt es in farblos und in zwei verschiedenen Mahagonitönen. Kann man leicht mischen. Für die letzte Lage gebe ich immer noch ca. 5% Wasser zu um die Fliessfähigkeit zu verbessern. Ist ein wasserlöslicher Acryllack der sich extrem gut verarbeiten lässt. Nach einem sehr heiissen Sommer hier in Kreta kann ich nur sagen. Die Entscheidung war richtig.

MuS

Klaus
Hallo Klaus,

da ich nächste Wintersaison den "Teakdeck-Deckshausbelag" unserer V40 refitten will und dabei auch den Lack einmal komplett neu aufbauen möchte, meine Frage:
Hast Du ein Datenblatt zu dem Lack (ich habe nur etwas auf "Kyrillisch" gefunden) und wieviel Zeit hat der Neuaufbau gekostet?

Danke im Voraus....
Gruß

Karsten
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Beitrag von Hans Werner » Sonntag 16. November 2014, 20:07

Hallo liebe Freunde, hier im Forum ist viel geschrieben „zu dem Thema Lack“
Meine Erfahrung in all den Jahren wurde unser Priem von mir alle 2-3 Jahre mit Epifanes
Lackiert. Man kann also davon ausgehen, dass eine starke Lachschicht so entstanden ist. Rissbildung, Lackablösung habe ich nie gehabt. Es gibt meiner Meinung nach da ein paar Regeln an die ich mich halte.
Das Holz wird 2 Tage vor dem Lackieren nass geschliffen, danach gründlich das Schiff reinigen, damit auch der Schleifstaub keine Möglichkeit hat.
Im Herbst wenn es noch warm ist, ist die beste Zeit. Lack und Holz braucht eben seine Temperatur. Nicht unter 18° C in den Morgenstunden und keine direkte Sonneneinstrahlung auf das Holz
Zu kalter Lack –-- dann die Dose in ein warmes Wasserbad stellen.
Verdünnung----- nur mit dem Epifanes Verdünner arbeiten
2 Lackanstrich------nach dem antrocknen ohne Schleifen innerhalb von 24 Std.
Auftragen mit einer Lackwalze und mit einem Schaumstoffpinsel glätten.
Auf meiner Homp. www. Priem-v-Hannover.de sind ein paar Bilder

VLG Hans Werner
:daumen: :daumen:
Priem v. Hannover
Hans Werner

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Beitrag von windjob » Montag 17. November 2014, 11:00

Hallo Karsten,

ich habe in den 10 Jahren hier im Mittelmeer ich weiss nicht wieviele verschiedene Lacke probiert. Wenn Du mit dem Boot jedes Jahr in einer anderen Marina und auch auf andere Jachthändler angewiesen bist geht es einfach nicht anders. Am Schluss hatte ich drei verschiedene Lacke drauf.

Bei wasserlöslichem Lack bin ich gelandet nicht rein aus umweltverträglichen Gründen, sondern auch weil er einfacher zu verarbeiten ist. Ich hatte dies auch schon an unserem damaligen Haus praktiziert.

Es geht damit los, Du brauchst keine Lösungsmittel sondern nur Wasser. Es riecht nicht. Der Lack fliesst sehr gut. Der Pinsel wird nur unter einem starken Wasserstrahl ausgewaschen.

Der Neuaufbau ist relativ einfach.

Alter Lack mit Heissluftpistole und Spachtel runterholen.
Den Rest schleifen.
Primer kannst Du sparen indem Du die erste Schicht mit 50% Wasser verdünnst.
Danach pro Lage die Verdünnung um 10% veringern. Also 50/ 40/ 30/ 20 etc.
Dasselbe gilt für die Mischung. Die erste Lage habe ich mit reinem Mahagonilack gemacht. Danach mehr und mehr Klarlack zugefügt.
Wenn ich nun eine neue Lage aufbringe heisst dies 90% Klarlack, 5% Mahagoni, 5% Wasser. Das Wasser nur wegen der besseren Fliessfähigkeit.

Ich möchte hier allerdings bemerken. Unser Boot war die letzten 10 Jahre ganzjährig der Sonne hier in Griechenland/Türkei ausgesetzt und hatte nie eine Persenning gesehen. Inzwischen sind 9 Lagen drauf und ich bin sehr zufrieden.

Dies mag bei euch im hohen Norden etwas anders ausschauen zumal die Nutzung auch anders ist. Wir kommen all zwei drei Jahre mal aus dem Wasser ihr jeden Winter.

ER LAC hat leider keine englischen Webseiten. Die sind noch in Arbeit. Aber vergesst nicht, die Autoindustrie verwendet meines Wissens inzwischen nur noch wasserlösliche Lacke.

MuS

Klaus

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Beitrag von TomM » Dienstag 18. November 2014, 15:06

windjob hat geschrieben: ...
Aber vergesst nicht, die Autoindustrie verwendet meines Wissens inzwischen nur noch wasserlösliche Lacke.

MuS

Klaus
Sag FAST nur noch, dann ist es teilweise richtig. Die Autoindustrie und viele andere Industrien verwenden vor allem kathodische Lacke, das sind Lacke, die wie beim galvanisieren oder anodisieren über die Magnetkräfte auf die Oberfläche gebracht werden. Weil man da ein leitfähiges Medium braucht geht ein unpolares Lösemittel nicht, sondern man geht auf Wasser als Lösemittel. Wasserbasierende Spritzlacke sind beim Auto nicht unbedingt die Regel.

Aaaber, die acrylbasierenden Wassersysteme sind eine Alternative für organische Lösemittel, allerdings ist die UV Beständigkeit von Acrylaten nicht unbedingt allerbest. Acrylate neigen zur Vergilbung und zur Versprödung. Wobei man daran denken muss, wenn das in 5 oder 10 Jahren geschieht ist eh wieder neuer Lack drauf.
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Beitrag von harald » Dienstag 18. November 2014, 16:58

Ich hate mal ein sehr beeindruckende Präsentation von UF härtenden Lacken gesehen. Wasserverdünnbar. in etwas so wie hier beschrieben http://www.arboritec.com/wp-content/upl ... -04-09.pdf
Autofelgen kommen so z.B. ins Tauchbad, "Höhensonne" trocken - fertig...
Hat den großen Vorteil das da kein Staub mehr beim "trocknen" sich niederlassen kann.
Muss man nur die Sonnenbrille und LSF 50 Creme beim pinseln nicht vergessen ;)
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Beitrag von windjob » Dienstag 18. November 2014, 17:14

TomM hat geschrieben:Acrylate neigen zur Vergilbung und zur Versprödung.
Hallo Tom,

ich bin keine Lackspezialist. Versprödung habe ich hier unten hauptsächlich bei den Lösungsmittelhaltigen Lacken festgestellt. Der von mir verwendete Lack zeigt dies selbst nach einem extrem heissen Sommer nicht.
Am allerschlechtesten hat sich bei mir Schooner von International herausgestellt. Auch wenn den viele verwenden. Aber, wie gesagt, das östliche Mittelmeer ist halt anders als die Ostsee und das Boot war ganzjährig der Sonne ausgesetzt.

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Beitrag von TomM » Mittwoch 19. November 2014, 01:57

Moinsen Klaus,

Schooner ist ein Öllack, so wie Tonkinoise, Benar der andere. Die Risse bei diesen Systemen erklären sich von ganz alleine, die Öle, besser Firnisse, "härten", besser polymerisieren durch Sauerstoffeinfluss. Meist sind sie nicht oder nur sehr gering stabilisiert, dass heißt sie verwittern und härten weiter, dadurch verlieren sie Elastiziät und Volumen und es kommt zu Rissen.

Neben den Ölen, die aber andere Vorteile haben, gibt es Alkydharzlacke, die "trocknen" mehr als sie polymerisieren, haben aber auch das Schrumpfproblem.

Die Acryllacke polymerisieren, meist über Sauerstoffaufnahme. Acrylate, schau ruhig bei Wiki nach, haben die Tendenz zum vergilben und das Polymer selbst versprödet durch Weichmacherabgabe.

Alle gemeinsam haben das Problem UV-Licht, Wasserdampf (Feuchte) und vor allen die Kombination von beidem. Da gehen Polymere, und auch das Öl polymerisiert am Ende, in die Knie.

Und noch mal, bei guten Systemen haben wir schon dreimal drüber gepinselt bis das merklich wird.

Öle oder organische Lösemittel haben im Außenbereich den Vorteil, dass der Lack, das Öl, die sättigend in das Holz einzieht und dadurch unempfindlich gegen Feuchteeindringen macht. Acrylate, Polyurethane oder auch 2-K Lacke bilden eine oben aufliegende Schicht, das ist in Ordnung solange sie dampfdicht ist, wenn aber Wasser durchkommt gibt es schwarze Flecken im Holz.
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